Das MBT Hessen unterstützt in Ost- und Nordhessen demokratische Initiativen, Institutionen, Parteien und Einzelpersonen, die sich gegen Rechtsextremismus, Rassismus und Antisemitismus und für die Stärkung einer menschenrechtsorientierten demokratischen Kultur einsetzen. Unsere Beratung orientiert sich an den Bedürfnissen und Ressourcen der lokalen bzw. regionalen Akteur*innen.  Neben der Vermittlung von Informationen zu rechtsextremen Strukturen, menschenfeindlichen Argumentationsmustern und Strategien, entwickeln wir zusammen mit Anfragenden an die Bedürfnisse und Begebenheiten angepasste Handlungsstrategien. Ziel ist es, nachhaltige Veränderung anzuregen und langfristig zu sichern - mit und durch die engagierten Menschen vor Ort.

Das MBT Hessen wurde im Jahr 2003 in Kassel als damals erstes Mobiles Beratungsteam Westdeutschlands gegründet. Seit Gründung im Jahr 2007 sind wir Mitglied im beratungsnetzwerk hessen und unsere Arbeit wird seither vom Bundesministerium für Familie, Frauen, Senioren und Jugend gefördert.Mit der Einrichtung des Landesprogramms „Hessen – aktiv für Demokratie und gegen Extremismus“ im Jahr 2015 fungiert das MBT Hessen als Regionalstelle Nord- und Osthessen  und wird aus Mitteln des Hessischen Innenministeriums gefördert. Zusätzlich hat sich das MBT im Jahr 2015 der Volkshochschule Region Kassel als Projekt angeschlossen.

Das MBT Hessen gründete sich im Jahr 2003 als erstes Mobiles Beratungsteam in Westdeutschland. Auch andere Organisationen wie etwa die ARUG leistete vergleichbare Arbeit, allerdings dauerte es bis zum Jahr 2007, bis es Förderung aus Bundesmitteln für dieses Konzept auch im Westen der Republik gab. Von Anfang an bezog sich das MBT Hessen auf Qualitätsstandards, die von Beratungsteams der neuen Bundesländer entwickelt worden waren und wir suchten immer den Austausch mit diesen Kolleg*innen.

Die Qualitätsstandards des Beratungsnetzwerks wurden und werden im Rahmen einer KQB-Zertifizierung entwickelt. Sie legen in erster Linie fest, wie im Netzwerk zusammen gearbeitet wird (Gremien, Leitbild, Fortbildungsbedarfe, Struktur usw.) und unter welchen Bedingungen Beratung stattfindet (Vertraulichkeit, Akteur*innen-orientiert usw.). Es gibt regelmäßige Treffen für BeraterInnen, des gesamten Netzwerks, einen „Qualitätszirkel“ und eine jährliche Fachtagung. In den Berater*innentreffen besteht die Möglichkeit zur kollegialen Intervision, aber in erster Linie wird sich über aktuelle Entwicklungen in Hessen und anstehende Projekte ausgetauscht. Das Demokratiezentrum bietet eigene Fortbildungen für Berater*innen an (z.B. modulare Fortbildung zu systemischer Beratung, Öffentlichkeitsarbeit, Recherche). Es besteht ein umfangreiches anonymisiertes Berichtswesen von Fallmeldung über Zielvereinbarung, Berichte jedes Arbeitstreffen bis hin zu Evaluationsbögen für Berater und Beratende.
 
Aus unserer Sicht deckt dieses (streng anonymisierte und nicht-öffentliche) Berichtswesen in erster Linie quantitative Aspekte unserer Arbeit ab. In den Auswertungen können so sehr gut Fallzahlen in bestimmten gesellschaftlichen Bereichen (wie viele Fälle in Schulen, Gemeinden usw., wie lange beraten wird usw.)  dargestellt werden, sagen aber wenig über die Qualität mobiler Beratung in Hessen aus. 

Deshalb orientiert sich das MBT Hessen an anderen, in unserem Bereich geltenden Fachstandards. Seit Jahren nimmt das MBT Hessen an bundesweiten Treffen auf BeraterInnen-Ebene teil. Wir besprechen alle Fälle teamintern, nutzen Methoden der Bildungsarbeit und machen regelmäßig Supervision. Seit dem Jahr 2015 gibt es den Verein „Bundesverband mobiler Beratung“, siehe: bundesverband-mobile-beratung.de in dem wir (Gründungs-) Mitglied sind.
 
Wir arbeiten prinzipiell nur auf Anfrage, in Einzelfällen bieten wir unsere Beratungstätigkeit potentiellen KlientInnen an. Wir sind niemals Akteur, was bedeuten kann, dass wir zwar problematische Entwicklungen beobachten und thematisieren, aber ohne andere Akteure „im Feld“ werden wir nicht tätig (so schwer das manchmal fallen mag, weil man ja auch Bürger seiner Region ist).
 
Mobile Beratung ist ein seit mehr als zwanzig Jahren (weiter-)entwickeltes Konzept, das in einer heterogenen Struktur von Trägern in den 16 Bundesländern unterschiedlich ausgestaltet wird. In der Zusammenarbeit dieser pluralen Szene wurden allerdings verschiedene Methoden und Standards im Rahmen der Professionalisierung des Arbeitsfeldes entwickelt und formuliert.
Die folgenden zwei Papiere sind von den Mitgliedern des Bundesverbands als verbindliche Arbeitsgrundlage anerkannt, die Verwirklichung der darin beschriebenen Standards wird von den Mitgliedern angestrebt:

  • (PDF, 125kb). Qualitätsstandards für die Mobile Beratung im Themenfeld Rechtsextremismus zur Stärkung demokratischer Kulturahmen des Bundesprogramms „kompetent. für Demokratie“ von einer ExpertInnengruppe aus PraktikerInnen, Wissenschaftlicher*innen und Vertreter*innen der Bundesländer mit umfangreichen Überlegungen zu (wünschenswerten) Standards und Methoden.
  • Selbstverständnis der Mobilen Beratungsteams – MBT 2.0 (PDF, 379kb). Erstellt im bundesweiten Diskussionsprozess der Mobilen Beratungsteams als Papier zum Selbstverständnis der MBTs.

Wir machen keine Beratung für Betroffene von rechter Gewalt. Wir vermitteln Menschen mit solchen Beratungsanfragen an kompetente rechtliche Beistände. Eine passende, qualifizierte Beratung für Betroffene rechtsextremer bzw. rassistischer Gewalt ist die Anlaufstelle response in Frankfurt. Das Thema Beratung für Betroffene wurde vom beratungsnetzwerk hessen stets als dringlich angesehen (vgl. eine Publikation des Netzwerks zum Thema Betroffenenperspektive).
 
Wir halten „objektiv messbare“ Kriterien für den Erfolg unserer Arbeit trotz oben erwähnter Praktiken als schwer definierbar, weil es generell in der sozialen Arbeit mit Menschen, ihren Emotionen und individueller Unterschiede problematisch ist, inwiefern die Arbeit objektiv messbar sein kann. Das bedeutet keineswegs, dass mobile Beratung keine Kriterien hätte oder dass man keine wissenschaftlich begründeten Ansätze und Standards hätte. Wünschenswert wäre aus unserer Sicht ein institutionalisierter Austausch auf Berater*innen-Ebene, zwischen Wissenschaft und Praxis (sowie projektbezogener Evaluation durch Wissenschaftler*innen.)

Das Konzept der Mobilen Beratung ist vor allem die Initiierung und Begleitung lokaler Prozesse gegen rechtsextremistische Strömungen und die Verankerung regionaler Demokratisierungsprozesse, sowie die Förderung außerparlamentarischen Engagements. Zielgruppen sind regionale Strukturen wie etwa Verwaltungen, Träger regionaler Jugendarbeit, Vereine und Organisationen jeder Art, Unternehmen und interessierte Einzelpersonen. Dabei werden Probleme nicht für die genannten Zielgruppen gelöst, sondern Konzepte zusammen erarbeitet, um die beteiligten Akteure zu stärken, damit Probleme selbst vor Ort gelöst werden können. Dabei ist ein Verständnis wichtig, bei dem Rechtsextremismus als politisch-gesellschaftliches Problem begriffen wird, dessen Träger keinesfalls nur rechtsextreme (jugendliche) Randgruppen sind. Zivilgesellschaftliche Mobilisierung begreift das MBT Hessen deswegen als andauernden Prozess, der eigenverantwortliches und solidarisches Handeln positiv besetzt. Nur so kann der menschenverachtenden Ideologie der Ungleichheit nachhaltig die Grundlage entzogen werden.
 
Seit dem Jahr 2007, also von Anfang an, ist das MBT Teil des beratungsnetzwerks hessen.  Mit Erstellung einer Regionalstudie des Schwalm-Eder Kreises im Jahr 2009 wurde eine bundesweit beachtete Analyse erstellt. Seither hat das MBT in ganz Nordhessen von runden Tischen in Gemeinden, über zahlreiche Schulen, Jugendpflegen und anderen öffentlichen Einrichtungen bis hin zu Angehörigen von Rechtsextremer zahlreiche Menschen begleitet und unterstützt. Durch über 10-jährige Arbeit ist das MBT zu einem festen Ansprechpartner in Nordhessen geworden. Darüber hinaus befindet sich das MBT im regelmäßigen bundesweiten Austausch mit anderen Mobilen Beratungsteams.
Seit dem Jahr 2015 gibt es das Landesprogramm „Hessen – aktiv für Demokratie und gegen Extremismus“. Dadurch wurde auch das MBT Hessen finanziell besser ausgestattet und kann jetzt, als Projekt der Volkshochschule Region Kassel, voll arbeiten, weil die Mittel für vier Stellen zur Verfügung gestellt wurden. Zusätzlich beraten wir seither auch die Region Osthessen (also Fulda Stadt und Landkreis Fulda).

Wir sind für sie da, wenn sie uns brauchen!
 
Wenn sie Unterstützung, Beratung und Hintergrundinformationen über die neonazistische Szene vor Ort brauchen oder sich informieren wollen, dann sind wir für sie da.

Ganz gleich, aus welchem Anlass sie Kontakt zu uns aufnehmen, das können beispielsweise Probleme mit extrem rechten Stammtischparolen, rassistische Vorfälle, antisemitische Schmierereien, Neonazis im Ort, rechtsextreme Jugendliche im Jugendzentrum, Prügeleien auf der Kirmes oder andere Vorfälle sein. Bei solchen oder ähnlichen regionalen Konflikten kann die Mobile Beratung von allen Menschen, die Unterstützung brauchen, in Anspruch genommen werden.
 
Grundsätzlich bedarf es einer Analyse der vielschichtigen Ursachen und Erscheinungsformen dieser gesellschaftlichen Probleme. Um eine wirkungsvolle Arbeit in den Bereichen Rassismus, Antisemitismus und der extremen Rechte leisten zu können, unterstützen wir mit unserer Arbeit vor Ort regionale Demokratisierungsprozesse. Dabei können insbesondere lokale Prozesse gegen demokratiefeindliche Strömungen initiiert, sowie die Förderung zivilgesellschaftlichen Engagements begleitet und verankert werden.
 
Menschenfeindliche Einstellungen und Erscheinungen sind keinesfalls auf jugendliche Randgruppen beschränkt. Zivilgesellschaftliche Mobilisierung begreift das MBT Hessen deswegen als andauernden Prozess, der eigenverantwortliches und solidarisches Handeln positiv besetzt. Nur so kann der menschenverachtenden Ideologie der Ungleichheit nachhaltig die Grundlage entzogen werden.
 
Auch bei Unsicherheiten in Bezug auf neonazistische Tendenzen in der Region bietet das Mobile Beratungsteam eine umfassende Aufklärung über aktuelle regionale Erscheinungsformen der extremen Rechte.

Gerne beraten wir auch pro aktiv. Das bedeutet, dass wir auch ohne einen konkreten Vorfall oder Anlass angesprochen werden können.